Mit satten 25 Newtonmeter reiht sich auch Fanatec in die Riege der High-End-Bases zu Simucube und Simagic. Und die bis zu 33 Newtonmeter Spitzendrehmoment des Podium DD liegen unfassbar gut an. Doch braucht es überhaupt so viele Newtonmeter?

Fanatec Podium DD in der Praxis
Die Wheelbase Podium DD ist das neue Spitzenmodell des Herstellers Fanatec.

Das ist doch ein Clubsport DD!

Auch wenn die neue Premium-Base aus dem Hause Fanatec den Namen “Podium” trägt, ist sie optisch kaum von einer Clubsport DD beziehungsweise DD+ zu unterscheiden. Lediglich an die Farbe des Ringes an der Rückseite gibt Aufschluss über die Base, beim Podium DD ist dieser nun golden. Ansonsten ist die Lenkradbasis baugleich zu seinen DD-Vorgängern. Ein haptischer Unterschied ist aber auszumachen, denn das Podium DD ist, bis auf die Leiste für Stecker, vollständig aus Metall. Die Kühlung verläuft passiv über die Kühlrippen und dieses System funktioniert auch bei 25 Newtonmeter erstaunlich gut.

Äußerlich ist das Podium kaum vom Schwestermodell Clubsport DD zu unterscheiden.

Für die Montage nutzt Fanatec branchenübliche Nutensteine, mit denen die Base an der Unterseite oder an den Flanken am Sim-Rig befestigt wird. Eine gedruckte Anleitung für den Aufbau ist leider nicht dabei, findet sich aber auf der Fanatec-Website. Auch bei den Anschlüssen hat sich wenig getan. Hier finden sich an der Rückseite vier RJ-Stecker für zwei Shifter, Pedale und Handbremse. Dazu gesellen sich ein CAN-Bus-Port, USB-C-Stecker und die Schnittstelle für das 480 Watt starke Netzteil. An der Front sind der Fanatecs QR2-System zum Anschluss von Lenkrädern, sowie der An-Schalter angebracht. Außerdem ist im Lieferumfang eine zehn Zentimeter lange Schaftverlängerung enthalten.

Das Fanatec Podium DD im Praxistest

Nach der Montage und den ersten Konfigurationen der 9,5 Kilogramm schweren Base geht es nun in den Praxistest. Out of the box fällt sofort auf: 25 Newtonmeter sind für den gewöhnlichen Sim-Racer viel zu viel. Gerade auch im Vergleich zu realen Rennwagen, bei denen man dank Servolenkung “nur” ungefähr die Hälfte an Kraft aufbringen muss. Also geht es erst einmal ins Tuning-Menü. Die hauseigene Fanatec-App ist zwar nicht außergewöhnlich fein einstellbar, bietet aber alle nötigen Optionen. Konfigurierbar sind hier unter anderem das Force Feedback, die Stärke von Full Force, Dämpfung, Reibung, Interpolation, Trägheit oder dynamisches Force Feedback, welches sich an die Geschwindigkeit des Wagens anpasst.

Die 25 Nm Drehmoment reichen in der Praxis dicke aus.

75% Force Feedback Grundeinstellung reichen völlig für gängige Simulationen wie Le Mans Ultimate. Ingame kann man hier auf 60% bis 80% herunter, was immer noch nach kräftigen Armen verlangt. Dennoch sind vor allem feine Effekte wie Curbs, Unebenheiten oder der Grip an der Vorderachse deutlich spürbar und sehr präzise. Wenn Full Force unterstützt wird, wie bei iRacing oder Project Motor Racing, dann werden zusätzlich feinste Mechanik-Effekte abgebildet. Dennoch wird Full Force weiterhin noch von zu wenigen Sims supportet.

Beeindruckende Feinheiten für großes Geld

Auch bei Assetto Corsa Evo sind die kleinen und feinen Effekte deutlich spürbar. Vor allem bei klassischen Sportwagen ohne Servolenkung kommt man ordentlich ins Schwitzen. Auch der Rallye-Ableger Assetto Corsa Rally punktet mit schnell anliegenden Kräften und der rapiden Lenkradzentrierung. Was die Leistung angeht, gibt es bei Fanatecs High-End-Base wenig zu beanstanden. Allerdings geht das Podium DD auch entsprechend ins Geld: 1.100 Euro kostet allein die Base.

Moza R21 Ultra und R25 Ultra
Die neuen Highend-Wheelbases R21 und R25 Ultra sind äußerlich baugleich.

Zum Vergleich: Das Konkurrenzmodell Moza R25 Ultra mit ebenso 25 Nm ist 100 Euro billiger. Platzhirsch Simucube bietet sein 25Nm-Modell Simucube 2 Pro für gut 1.200 Euro an.

Des Weiteren fehlt dem Podium DD fehlt ein klares Kaufargument. Denn solange man nicht mehrfach in der Woche seine Armmuskulatur stählt, reicht die Hälfte der hier möglichen Maximalkraft völlig aus. Und dazu zählen auch Fanatecs hauseigene Produkte, wie das Clubsport DD (12 Nm) und DD+ (15 Nm). Für letzteres spricht auch der Playstation-Support, welcher beim Podium DD leider fehlt. Grundsätzlich bekommt man hier zwar auch einiges für sein Geld. Die Frage bleibt, ob man die Base überhaupt komplett ausreizen kann.

Wo liegt die Grenze?

Das Fanatec Podium DD zu bewerten fällt wirklich nicht leicht. Einerseits sind gerade die Feinheiten und Effekte unglaublich präzise und werten das Fahrgefühl ungemein auf. Andererseits zahlt man dafür auch einen Betrag, für den man auch einen Gebrauchtwagen bekommen kann. Zusätzlich werden die wenigsten Sim-Racer die 25 Newtonmeter beziehungsweise 33 Newtonmeter Spitzendrehmoment vollständig ausfahren können. Inzwischen stellt sich die Frage, wie viele Newtonmeter überhaupt noch möglich sind.

Dennoch können gerade Profis die Wheelbase vor allem in puncto Effekte dank Feinjustierung vollständig ausreizen. Anfänger brauchen definitiv noch keine 25 Newtonmeter und auch Amateure sollten vor dem Kauf, falls möglich, einige Testfahrten machen. Profis haben dagegen die Qual der Wahl am Markt. Denn ob die Base nun von Moza, Fanatec oder Simucube ist, in diesem Preis- und Newtonmeter-Bereich sind die Unterschiede zwischen den Herstellern verschwindend gering.

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